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FEI World Cup Endurance 2001
130 km Wüstenmarathon zu Pferd

ein Bericht von Doris Melzer


Die Wüste ruft und diesem Lockruf folgt alle Jahre wieder eine Karawane der besonderen Art zu einem strapaziösen Treffen im fernen Orient.
Unter heißer Sonne trafen sich Reiter und Pferde aus aller Herren Länder zu einem Wüstenmarathon, das seinesgleichen sucht. Sheikh Mohamed bin Raschid al Maktoum, Kronprinz und Verteidigungsminister der Vereinigten Arabischen Emirate hatte zum ersten Distanz-World Cup dieser Art eingeladen und viele, viele kamen, von Argentinien bis Japan und von Australien bis Kanada und USA.

Während hierzulande nahezu alle Pferdesportveranstaltungen durch die Maul- und Klauenseuche brachliegen, herrschte Ende März im circa 80 km von Dubai entfernten, eigens dafür errichteten Distanz-Wüsten-Camp reges Treiben.
Hitze, Sand und Staub vermischte sich mit dem Sprachenwirrwarr der angereisten Reiter, Grooms und Fans und ihren hochkarätigen Ausdauer-Rennpferden. Die jeweils besten Distanzreiter der verschiedenen Nationen waren eingeladen
und bekamen die Anreise mit ihren Pferden und je 2 Helfern bezahlt. Sie hatten die Gelegenheit schon 22 Tage vor dem
130 km Ritt zwecks Akklimatisierung und Streckeninspizierung ins Trainingscamp zu ziehen.

Aus Deutschland waren Melanie Arnold (Nürtingen) mit ihrem 1988 geborenen Vollblut-Fuchswallach Simple the Best und Belinda Hitzler (Dillingen) mit der 1987 geborenen, braunen Partbredstute Sharia eingeladen. Heike Ganster, (beste deutsche WM-Teilnehmerin 2000) die mit ihrem Schucks in der Prioritätsliste ganz oben stand, wollte die Strapazen ihrem Araberwallach nicht zumuten. Auf Grund seiner guten Kontakte war auch der Saarländer Franz Brück eingeladen, der bereits in den beiden vorangegangenen Jahren zu dem vergleichbaren sogenannten Worlds most prefered endurance ride auf einem Leasingpferd startete. Für kurz vor dem Ritt aus Europa eingeführte Pferde sah der der Saarländer kaum Chancen und meint auch, daß die Unerfahrenheit den meisten Europäer in der Wüste zu schaffen macht. So hatten die meisten Reiter das Angebot auf Leasingpferden, die über die Equestrian Federation der Emirate vermittelt wurden , angenommen und nur wenige erreichten das Ziel auf einem eigenen mitgebrachten Pferd.
Da auch Belinda Hitzler und Melanie Arnolds mitgebrachte Pferde gegen Ende des Trainings lahmten, starteten sie auf Pferden aus dem Maktoumschen Stall.

Fotos: Doris Melzer www.horse-photogrphy.de
Wenn man vom modernen Dubai mit den Business Zentren, den luxuriösen Hotelhochhäusern und dem berühmten Goldsouk (=Markt) auf der Autobahn Richtung Oman und Richtung Al Ain fährt, kommt man zu einer Ausfahrt ?Endurance Village?. 1998 düste man hier noch mit Jeeps durch den Wüstensand um zum Camp, dem Startplatz für die Distanzweltmeisterschaft zu gelangen. Inwischen führt ein Teerstraße nach Seih Al Salam, die auch die ?Endurance Capitol of the World? genannt wird, die Distanzhauptstadt der Welt.

Noch ist es kühl, als die Sonne ihre ersten Strahlen auf die teils mit dürrem Gestrüpp bewachsenen Sanddünen wirft und sie in zarte Pastellfarben taucht. Schnauben und Stampfen der Pferde, hier und da ein nervös steigendes oder tänzelndes Pferd, sonst geht der Start ruhig und gelassen vor sich. Hektisch startet dagegen eine Horde Jeeps, die links und rechts manchmal auf der Piste unkoordiniert losprescht, um die Pferde zu begleiten, überwachen und betreuen. Manch einer bleibt stecken und darf Sand schaufeln... Die meisten wissen: vorher etwas Luft aus den Reifen lassen, dann mit Schwung die Düne rauf und schauen das man nicht vom vorherfahrenden Fahrzeug abgebremst oder eingenebelt wird. Die Reiter legen ein flottes Tempo vor. Auch die 7-köpfige Reitergruppe aus den USA, unter ihnen, die Weltmeisterin von 1998 Valerie Kanavy, die ihren Araberwallach Bearcat 0´Reilly, ebenso wie ihre Landsmännin Rita Swift mit dem Anglo-Araber Jayel Delgado und Carolyn Butler ihren Araber DJB Chaser mitbrachte, galoppieren die erste von fünf Ritt-Phasen. Vor- während und nach dem Ritt gehts auf die Waage, denn 75 kg Mindestgewicht sind für alle Reiter obligatorisch und eine Mindestgeschwindigkeit von 13 Std.km ist gefordert. Bei den Vetchecks im Stop dürfen 64 Pulsschläge nicht überschritten werden. 8 Pferde werden am ersten Stop eliminiert, darunter die Dänin Grethe Carstensen, 2 Portugiesen und eine Südafrikanerin. Es ist noch früh am Tag und doch schon heiß und es wird noch heißer, 33 Grad und kein Schatten auf der Strecke, aber viele Wasserstops. Auch der rote Ambulance-Pferdeanhänger ist auf der Strecke unterwegs. Melanie und Belinda halten vorne in der Spitze mit. Franz Brück, der eine recht unerfahrene 7jährige Anglo-Araber-Stute reitet, hält sich zurück.
Die 12köpfige Tierärztekommission, unter ihnen die VDD-Präsidentin Dr. Juliette Mallison, nimmt 18 Pferde am 2. Stop aus der Wertung. Diesmal trifft es u.a. den Araberwallach Oregon, den Belinda Hitzler reitet und die amtierende Weltmeisterin Maya Killa Perringerard (FRA) ist mit dem französischen Araberwallach Ckbity dabei. Beide Pferde lahmen. Von den 86 gestarteten Pferden werden allein 25 wegen Lahmheiten eliminiert. Melanie Arnold galoppiert dagegen mit der Anglo-Araberstute Kalinda voll Power aus dem Stop. Metabolische Probleme zwingen auch sie im 3. Stop zum aufgeben. Enttäuscht sind die 3 Fernsehteams von ARD, SWR und RTL, die ständig um sie herum sind. Trotzdem fand Melanie, das es ein superschöner Ritt war, es war ihr erster Wüstenritt, mal was ganz anderes und sie würde es sofort wieder machen.
Derweil die Pferde im Stop mit viel Wasser abgewaschen werden überwacht Horst Müller (Ankum) als Ground Jury Mitglied die Ein- und ausreitenden.
Nicht mehr ganz so schnell geht es auf den teilweise geschobenen und dadurch harten Pisten und mancher Reiter führt jetzt auch schon mal zwischendrin sein Pferd. Die erfahrene Valerie Kanavy und Rita Swift müssen am 4.Stop mit e anderen Reitern aufhören. Die Reiter der Emirate liegen in Führung.
Nach 6 Stunden und 11 Minuten kommt Abdullah Bilhab (UAE) auf der braunen Stute Everly de Quivarch gefolgt von Sheikh Juma al Maktoum als Sieger ins Ziel. Die ersten Zehn Plätze gehen an Reiter aus den Emiraten außer Terry Wood (AUS) mit dem eigenen Wallach Peppersfield Nabucco auf dem 4. Platz und Merce Oms Molist (ESP) mit der Araberstute Hurana auf dem 10. Platz.
Sheikh Mohamed bin Rashid al Maktoum erreicht mit seinem Araberwallach Reflex den 7. Platz und sein jüngster Sohn Sheikh Ahmed bin Mohamed al Maktoum schafft mit dem Araberwallach Ali Leujah den 19. Platz.
Er kommt gemeinsam mit Franz Brück zum Grooming-Platz rein. Ein ganzer Trupp kümmert sich darum die schon recht müde vor 6 Wochen aus Frankreich importierte Anglo Araberstute Ilun frisch zu machen. Auch die rheinland-pfälzische Tierärztin Lioba Wagner, die nun Franz Brück schon das dritte mal begleitet, bemüht sich, den einzigen verbliebenen deutschen Reiter über die letzten 12 km zu bringen. Sie ist ganz begeistert von diesem Ritt, der für sie ein Abenteuer ist, auf das sie nicht verzichten möchte.
Nach 9 Stunden und 52 Minuten kommt Franz Brück als letzter knapp in der Maximalzeit ins Ziel, eine Stunde nach der Schweizerin Angela Kunz. Er erreichte damit den 37. Platz

Bis zum 30. Platz gab es Geldpreise. Die ersten erhielten einen erheblichen Dollarsegen sowie je ein Auto für die ersten Drei. Der Preis für den Sieger war ein weißer Nobel-Range Rover. Insgesamt soll es 500.000 Dollar an Preisgeldern gegeben haben (inoffzielle Angabe).

Vor der Heimreise wurde dann MKS wieder aktuell. Alle Pferdedecken und sämtliches Zubehör wurde unter staatlicher Aufsicht gewaschen und desinfiziert. Die europäischen Pferde flogen mit Lufthansa zurück nach Frankfurt. Während die deutschen Pferde ihren Hafer schon wieder in heimischen Ställen mapfen, müssen die Spanier und Portugiesen unter strengen Auflagen Frankreich ohne anzuhalten passieren. Jannet van Wijk, darf z.Zt. nicht nach Holland zurück und muß ihr Pferd Shenmen bis auf weiteres in Belgien stationieren (inoff. Angabe).

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